Was ist ein Pickert

Erst einmal ist der Pickert so ziehmlich das westfälischte aller Gerichte. Leider findet man es in vielen Privat-Haushalten kaum noch. Es gibt aber in Westfalen immer noch viele Landgasthöfe, die zu Pickert-Essen einladen.

Es ist unglaublich wie viele falsche Informationen ich schon in Bezug auf den Pickert gelesen habe. So habe ich z.B. einmal gelesen, der westfälische Pickert würde mit Rosinen zubereitet. Das ist so nicht richtig, denn es ist der Lippische Pickert, der mit Rosinen zubereitet wird, nicht der Westfälische. Aber auch das ist nicht 100%ig richtig. Der Lipper Ur-Pickert wird ohne Rosinen zubereitet, der heutige lippische Pippert mit Rosinen.
Ein anderer schreibt, ein Reibekuchen sein ein Pickert, was auch sehr ungenau ist.

Aber immer der Reihe nach. Fangen wir mal mit der Bedeutung des Namens an. Pickert ist plattdeutsch und kommt von “pecken” und bedeutet “kleben”. Der “westfälische Pickert” wurde auf einer gußeisernen Platte gebacken und “peckte” an dieser sehr schnell an, weshalb man ihn mit einem breiten Messer wieder lösen mußte. Daher kommt der Name “Pickert”.


Wo ich jetzt schon den Begriff “westfälischer Pickert” benutzt habe – kommen wir zu den verschiedenen Versionen.
Es gibt heute drei verschiedene Haupt-Arten von Pickert:
1. Westfälischer Lappenpickert (dünn, mit Scheiben von geräuchertem, fettem Speck, deftig). Ursprung in Ostwestfalen.

2. Lippischer Pickert. Wie es der Name beschreibt: Ursprung im Lipperland

a. Traditionelle, historische Ur-Version (ohne Rosinen, nicht süß!)

b. Neuzeit-Version (mit Rosinen)

3. Kastenpickert (in einer Brotkastenform gebacken, mit Rosinen, süß. Ursprung im Raum Bielefeld/Gütersloh)

Allen Pickertarten gemeinsam ist die Grundzutat: Kartoffeln. Die Zubereitung und die weiteren Zutaten sind aber durchaus unterschiedlich.

Eines sollte man aber bedenken. Solche traditionellen, regionalen Rezepte “leben” und verändern sich. So ist z.B. der Lippische Pickert nicht immer mit Rosinen zubereitet worden. Im Internet findet man viele moderne Abwandlungen von Pickertrezepten. Ferner sind diese Rezepte schon innerhalb kürzester Entfernungen innerhalb Westfalens sehr unterschiedlich.
Oder nehmen wir Hefe. In vielen Pickert Rezepten wird Hefe verwendet. Das entspricht aber nicht der Tradition!

Traditionelle Zubereitung (Beispiel Westf. Lappenpickert)

Ganz früh bereitete man den Lappenpickert direkt auf der Herdplatte zu, die durch ein Holzfeuer erwärmt wurde. Die Herdplatte war eben und wurde ordentlich gesäubert und mit einer Speckschwarte eingerieben.

Als dann die ersten E-Herde und Gas-Herde aufkamen, verwendete man für die Zubereitung eine gußeiserne Platte – die sogenannte Pickertplatte. Die legte man auf die Herdplatte oder den Gasherd, fettete sie, wie überliefert, mit einer Speckschwarte ordentlich ein, und wenn die Platte richtig heiß war, kam der Teig darauf. Wie zuvor schon beschrieben, peckte der Teig sofort an und mußte wieder gelöst werden.
Auf die Platte kamen aber auch noch eine reichliche Menge an dünnen Scheiben von geräuchertem, fettem Speck.

In der Senne (Region Ostwestfalen-Lippe) wurde der Pickert noch anders zubereitet. Wer schon einmal in der Senne war, oder in der Kaserne Augustdorf gedient hat, kennt den karge Sandboden. Hier wächst häufig nicht viel mehr als tief wurzelnden Krüppelkiefern und einige wenige andere Bäume. Da in dieser Gegend auch kein Weizen wächst, hat man als Zutat für den Lappenpickert nicht Weizenmehl hergenommen, sondern Buchweizenmehl. Das wurde dann zwar eine sättigende, aber leider auch zähe Angelegenheit, weshalb man diesen Pickert im Volksmund auch als „Liarn Hinnerk“ (lederner Heinrich) bezeichnete.


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