Anmerkung zu den Gerichten

Als ich mir vornahm traditionelle NRW-Gerichte festzuhalten, hätte ich nicht gedacht, dass es so schwer wird.

Als erstes habe ich mir alle Gerichte notiert, die ich aus meiner Kindheit kenne und die meine Mutter und meine Großmutter auf den Tisch gebracht haben. Doch was davon ist traditionell NRW? Nehmen wir zum Beispiel den Sauerbraten. Den findet man mittlerweile auf der Speisekarte von Restaurants in ganz Deutschland. Welche Zubereitung ist aber typisch NRW? Ein Problem für solch eine Recherche ist sicherlich, das schmackhafte Gerichte heute auch in anderen Regionen und sogar in anderen Ländern zu finden sind.

Anfangs wollte ich die Gerichte nach Regionen auflisten. Ganz schwierig, da die Verbreitung von Gerichten keine Grenzen kennt. Menschen ziehen um in andere Gebiete, oder lernen Ehefrauen aus anderen Gebieten kennen, und was wird gekocht, eine Mischung aus allen Regionen. Es war also nahezu unmöglich, z.B. nach den ehemaligen drei Provinzen Nordrhein, Westfalen und Lipperland zu sortieren. Also habe ich mich entschlossen, nur nach der Art der Gerichte zu sortieren und die Region nicht zu berücksichtigen. Letztendlich sind alle drei Provinzen ja heute EIN Bundesland!

Wenn Sie nun ein Gericht hier lesen, das Sie auch kennen, werden Sie evtl. feststellen, dass Sie das ganz anders kennen. Ich habe bei jedem der Gerichte nach dem Ur-Rezept gesucht und mußte feststellen, dass es das nicht gibt. Zum Beispiel habe ich einmal gelesen, westfälische Eiserwaffeln würden mit Milch zubereitet, in einem anderen Rezept stand, Milch solle unbedingt fern bleiben, da die Waffeln sonst nicht knusprig werden. “Dicke Bohnen” mit Majoran, oder ohne Majoran, mit Sahne oder ohne Sahne. Oder nehmen wir das westfälische Nationalgericht: Blindhuhn. Man findet Rezepte mit und ohne Zwiebeln, mit Gemüsebrühe oder mit Kalbsbrühe, oder sogar ganz ohne Brühe und macht man Blindhuhn mit Äpfeln oder ohne Äpfel?
Traditionsgerichte sind wie das Spiel “Stille Post”. Über Jahrzente weitergegeben, entspricht das Gericht heute, sicherlich nicht mehr dem, wie vor 100 Jahren. Entweder richte ich mich bei den aufgelisteten Gerichten nach dem Rezept wie meine Mutter es zubereitet, oder nach der ersten Kochbuchautorin überhaupt, Henriette Davidis (* 1. März 1801 in Wengern /Westfalen † 3. April 1876 in Dortmund ) die 1845 versucht hat, traditionelle Gerichte in einem Kochbuch festzuhalten. Ihr Kochbuch: Praktisches Kochbuch. Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche. Practische Anweisung zur Bereitung von verschiedenartigen Speisen, kalten und warmen Getränken, Gelees, Gefrornem, Backwerken, sowie zum Einmachen und Trocknen von Früchten, mit besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen.
Der Anfangsspruch vieler Fernsehköche: “Man nehme……” stammt z.B. von H. Davidis.

Was ich sagen will: Gerichte “leben” und ändern sich und es ist jedem selbst überlassen, wie man es zubereitet oder würzt. Somit stellen die aufgelisteten Gerichte nur eine Anregung dar, damit diese Traditionsgerichte nicht so ganz in Vergessenheit geraten.

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