Das Frühmittelalter im Bereich des heutigen NRW wurde geprägt durch eine Zweiteilung des Gebietes. Wie zuvor beschrieben, siedelten im rheinischen Bereich die Franken, genauer gesagt die Merowinger, die später durch das Geschlecht der Karolinger abgelöst wurden.
Der Bereich im Nordwesten (heutiges Ostwestfalen/Lippe) wurde durch die Sachsen dominiert. Die Franken waren christianisiert, die Sachsen noch Heiden. Die Sachsen waren jetzt in dem Sinne kein einheitliches Volk, das von einem bestimmten Geschlecht regiert wurde, sondern setzten sich aus vielen Volksstämmen zusammen.
Die Sachsen aber breiteten sich immer mehr aus, und so musste die fränkische Gegenreaktion folgen. Es folgten die sogenannten Sachsenkriege Karls des Großen. Diese dauerten von 772 -804. Sie begannen im Sommer 772 mit einem Feldzug Karl des Großen gegen die Sachsen und endeten 804 mit der Unterwerfung der Sachsen. Es gab aber auch in Gebieten, die sich Karl dem Großen unterworfen hatten, immer wieder Aufstände. Einen dieser Aufstände gab es im Jahre 775 in der Gegend des heutigen Lübbecke. In dem Bericht Karls des Großen über diesen Aufstand, erwähnt er erstmals die Bezeichnung Westfalen für einen sächsischen Teilstamm.
An den Lippequellen, also in der Gegend des heutigen Bad Lippspringe unterwarfen sich die Sachsen das erste Mal. Als Folge dieser Unterwerfung bauten die Franken an der Stelle des heutigen Paderborn eine befestigte Königspfalz.
Immer noch kam es zu Aufständen der Sachsen, die sich auch noch nicht vollständig unterworfen hatten. So kam es zur Schlacht am Süntel und endete mit Massenhinrichtugen – das sogenante Verderner Blutgericht.
Beim Reichstag in Paderborn im Jahre 785 unterwarf sich der Herzog der Sachsen, Widukind, und ließ sich taufen.
Es gab dann noch mal kleinere Aufstände, wie z.B. die Schlacht auf dem Sintfeld bei Bad Wünnenberg im Jahre 794 doch letztendlich kehrte Ruhe ein und für die Franken war Westfalen befriedet.
Widukind, in meiner Geburtsstadt sprich man auch von Wittekind, ist im Raum Herford immer noch sehr präsent und in vielen Orten stehen Widukind Denkmäler. Bei dem Bereich zwischen dem Wiehengebirge im Norden, dem Weserbergland im Osten und dem Teutoburger Wald im Südwesten spricht man auch vom Wittekindsland und es gibt auch eine Touristengemeinschaft: https://www.wittekindsland.de/.
In dem kleinen Vorort von Herford, Enger, steht heute die Stiftskirche, die als Grabgelege Widukinds gilt ( https://www.enger.de/Tourismus/Sehenswertes/Stiftskirche/ ). Tatsächlich hat man bei Ausgrabungen festgestellt, daß diese Kirche Vorgängerbauten hatte und der äteste Vorgängerbau in die Zeit Widukinds (ca. 800 n.Chr.) zurückreicht. Der Sarkophag hat eine Reliefplatte aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und zeigt Widukind im Königsordinat mit Lilien, Zepter und Spangenkrone. Die Platte gilt als eines der frühesten großplastischen Werke in Deutschland. Im hölzernen Schrein direkt beim Grabmal, glaubte man, befinden sich die Gebeine von Widukind. In den 70er Jahren hat man das genauer untersucht und festgestellt, dass es die Knochen einer jungen Frau sind. Nichtsdestotrotz wird im Kreis Herford Wittekind noch immer sehr verehrt. In Herford gibt es z.B. auch ein Widukind-Denkmal. Es zeigt Widukind auf seinem Pferd, das am Boden scharrt und eine Quelle springt hervor.
Weshalb diese Darstellung? Das Denkmal geht auf folgende Sage zurück: Eine Tages, während der Sachsenkriege, ging Widukind als Bettler verkleidet in einen christlichen Gottesdienst, der in sehr beeindruckt hat. Kurze Zeit später ritt er über den Kamm des Wiehengebirges und sinnierte darüber, welches wohl der richtige Glaube sei. Er war sich aber nicht sicher und wünschte sich ein Zeichen, ob das Christentum die richtige göttliche Lehre sei. An der Stelle, wo heute die Kirche des Bad Oeynhausener Ortsteils Bergkirchen steht, blieb sein Pferd stehen, scharrte einen Stein los, woraufhin eine Quelle hervor sprudelte. Er ließ sich draufhin zum Christentum bekehren, gab sich kriegerisch geschlagen und unterwarf sich Karl dem Großen. Oberhalb der Quelle ließ Widukind daraufhin eine Kirche erbauen. Auch heute steht noch eine Kirche an diesem Platz und die Quelle soll sich ebenfalls auf dem Gelände befinden ( https://www.heimatverein-bergkirchen.de/wittekindsquelle ).
Die Sachsen waren ja keine Christen und als sie nun den Franken, die allesamt Christen waren, unterlagen, folgte die gewaltsame und systematische Christianisierung. Die christliche Religion gehörte zur Herrschaftsstrategie Karls des Großen. Die eroberten sächischen Gebiete wurden in Missionsbezirke eingeteilt und Bischöfe ernannt. Zum Teil existierten noch gar keine Städte, aber die Domburg existierte schon und führte dann erst später zur Bildung einer Stadt – z.B. in Münster war das so. Desweiteren wurden die Bischoffssitze Osnabrück, Minden und Paderborn gegründet. Für die Christianisierung des Sauerlandes und das Gebietes zwischen Rhein und Elbe, Hellweg genannt, war der Erzbischof von Köln zuständig.
Dort, wo keine Bischoffssitze gegründet wurden, sollten Klostergründungen die christliche Religion weiter zementieren. Eines der ersten war das Kloster in Obermarsberg, aber wirklich mächtig und reich waren die Kloster Corvey, Werden (heute Essen-Werden) und das Stift in meiner Heimatstadt, das Stift Herford. Eine der berühmtesten Äbtissinen des Stifts Herford war die Äbtissin Elisabeth von der Pfalz.
Das ehemalige Kloster Corvey ist auch heute noch ein Ausflugsziel in NRW und beherbergt eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes. Weitere Köster gab es in Böddeken, Vreden, Freckenhorst, Meschede, Liesborn, Nottuln und Schildesche. Damit der christliche Glaube auch in die Bevölkerung getragen wurde, wurden Pfarreien gegründet.



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