Was ist ein Schnadgang?
Ein Schnadgang (von mittelhochdeutsch snade = Grenze) ist ein Grenzgang zur Kontrolle und symbolischen Bestätigung der Gemeinde- oder Gemarkungsgrenzen**.
Er ist eine jahrhundertealte Tradition in vielen Teilen Westfalens (aber auch Nordhessens und im Sauerland, teilweise auch in Thüringen und Hessen.
Ursprung und Bedeutung
- Der Brauch geht bis ins Mittelalter zurück.
- Damals waren Grenzsteine und Vermessungen noch selten oder ungenau.
- Damit die Einwohner einer Gemeinde die Grenzen ihres Besitzes kannten, wurde regelmäßig ein gemeinsamer Rundgang entlang der Grenzmarkierungen veranstaltet.
- Ziel: Streitigkeiten mit Nachbarorten zu vermeiden und das Grenzbewusstsein wachzuhalten.
Oft hieß es:
„Was man mit eigenen Füßen abläuft, das vergisst man nicht.“
Ablauf eines Schnadgangs
- Startpunkt ist meist das Rathaus, die Kirche oder ein Dorfplatz.
- Teilnehmer: Der Bürgermeister, Ratsmitglieder, örtliche Vereine und viele Einwohner.
- Route: Entlang der historischen Gemarkungsgrenzen, durch Wälder, Felder und über Bäche.
- Stationen: Alte Grenzsteine („Schnadsteine“) oder markante Punkte werden aufgesucht, überprüft oder symbolisch „abgeklopft“.
- Brauchtum:
- Jüngere Teilnehmer werden an der Grenze „eingeschnadet“ (z. B. über einen Stein gezogen oder sanft auf den Grenzstein gesetzt).
- Es gibt Schnade-Lieder, kleine Reden und oft humorvolle Rituale.
- Abschluss: Geselliges Beisammensein mit Essen, Trinken, Musik und Reden – meist ein Dorffest.
Kulturelle und soziale Bedeutung
- Gemeinschaftspflege: Der Schnadgang stärkt den Zusammenhalt im Ort.
- Heimatpflege: Er erhält Wissen über Landschaft, Geschichte und Grenzen.
- Tradition und Tourismus: Viele Orte führen ihn heute als Volkswanderung oder Heimatfest fort.
- Mancherorts findet der Schnadgang alle 2, 5 oder 10 Jahre statt.
Regionale Besonderheiten
- Sauerland / Westfalen: Besonders verbreitet, mit oft jahrhundertealter Überlieferung.



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