Urzeit

Sorry, wenn im nachfolgenden Text viele Fachausdrücke erscheinen, aber ich wollte in meiner Jugend Archäologe werden und habe mich für die zeitlichen Epochen und für Ausgrabungen und dergleichen sehr interessiert.

Chronologisch unterscheidet man die Urzeit in folgende Abschnitte:
Alt- und Mittelsteinzeit – Zeit der Jäger und Sammler –
Jungsteinzeit – Zeit der Sesshaftwerdung, Ackerbau und Viehzucht – ab ca. 5600 v. Chr.
Bronzezeit – erste Metallgegenstände – ab 1900 v. Chr.
Vorrömische Eisenzeit – Einführung der Eisenmetallurgie – ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.

Das Paläolithikum, die Altsteinzeit (600.000-10.000 v. Chr.) – Zeit der Jäger und Sammler

Über die Urgeschichte auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen weiß man leider nicht sehr viel. Lediglich ärchäologische Funde geben über Siedlungen auf diesem Gebiet Auskunft. So hat man nur wenige Hinterlassenschaften des Menschen gefunden, die man der Altsteinzeit zurechnen kann. Die ältesten archäologischen Funde urgeschichtlicher Menschen in Westfalen sind die Schädelreste eines Neandertalers von Warendorf, der damit der erste bekannte Westfale ist. Dieser erste ‚Mensche‘ lebten vor 80000 Jahren und ernährte sich hauptsächlich vom Jagen und Sammeln. Er jagte Großwild wie Mammuts und wenn ihm das Jagdglück mal nicht hold war, ernährte er sich von Beeren, Wurzeln und Nüssen.

Jüngster Abschnitt der Altsteinzeit – das Jungpaläolithikum (40000 – 9700 v. Chr.)

In dieser Zeit vermuten die Wissenschafter die ersten Menschen, die uns, zumindest anatomisch, ähneln – den Homo Sapiens. Keine Funde in Westfalen.

Das Mesolithikum, mittlere Steinzeit (ca. 10.000-5600 v. Chr.)

Der älteste Homo Sapiens Fund in Westfalen ist einem 35-jährigen Mann zuzurechnen, von dem man in einer Höhle bei Hagen ein fast vollständig erhaltenes Schädeloberteil fand.  Dieser Fund ist allerdings ungefähr 10700 Jahre als und ist damit der frühen Mittelsteinzeit zuzurechnen.

Der Homo Sapiens verwendete moderne Waffen wie z.B. Speere. Aus der Zeit des Homo Sapiens stammen auch die ersten Höhlenmalereien. Dergleichen hat man in Westfalen aber nicht gefunden. Man hat lediglich eine Pferdekopf-Abbildung (Gravur) auf einem Tonschiefergeröll in einer Höhle bei Balver (Märkischer Kreis) gefunden.

Die Jungsteinzeit – Westfalen werden sesshaft – das Neolithikum (ca. 5600-1900 v. Chr.)

Die Jungsteinzeit ist geprägt durch den Übergang von nomadisierenden Jägern und Sammlern zur Sesshaftigkeit. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Zeichen von Ackerbau-Kultur in Westfalen (vor ca. 7.300 Jahren). Kulturhistorisch nennt man diese Zeit auch Linearbandkeramische Kultur (der Name rührt von der typischen Gefäßverzierung her). Die Westfalen dieser Zeit bauten die ersten festen Langhäuser.

Zu dieser Zeit lassen sich auch die ersten Handelsbeziehungen datieren. Das weiß man aus Funden von Feuersteingeräten aus der Maasregion und dem Raum Aachen, Hornsteingeräten aus Bayern oder Jagdbeilen aus dem Westalpenraum.

Das Jungneolithikum(4400-3400 v. Chr.)

Das Jungneolithikum ist geprägt durch die aufkommende Sitte, die Angehörigen zu begraben. So baute man große Steinkammergräbern die aus großen Findlingen erstellt wurden, sog. Ganggräber. Hierbei handelte es sich zumeist um Kollektivgräbereiner ganzen Sippe, oder einer kleinen Dorfgemeinschaft.  Wenn neue Tote hinzu kamen, hat man die älteren Toten einfach bei Seite geschoben.  Im südostwestfälisch-nordhessischen Raum hat manGaleriegräber der Wartbergkultur  gefunden die auch aus großen Steinen, hier aber auch schon aus behauenen Steinplatten errichtet wurden.

Die Bronzezeit – (ca. 1900-750 v. Chr.)

In Mitteleuropa läßt sich der Beginn der Bronzezeit so auf 2200 v. Chr. Datieren. Es ist natürlich kein abbruper Wechsel sondern eine fortlaufende Entwicklung. So hat man Gegenstände aus Kupfer, Draht, Röhrchen gefunden, die zeitlich zum Neolithikum gehören. Bestes Beispiel dafür war der Ötzi, der stammte aus der Jungsteinzeit, hatte aber perfekt gearbeitetes Kupferbeil bei sich.

Da man in Westfalen erst recht spät Werkzeuge o.ä. aus Metall fand, spricht man in Westfalen von der Bronzezeit erst ab ca. 1900 v. Chr.. Weshalb waren Metallfunde so selten? Nun, Bronze besteht zu 90% aus Kupfer und zu 10% aus Zinn. Beides Rohstoffe die so in Nordrhein westfalen nicht natürlich vorkommen. Dshalb hatten solche Waffen oder Werkzeuge auch einen gewissen Wert und man gab sie nicht mit ins Grab. Stattdessen hat man Stein-Kopien erstellt und diese mit ins Grab gegeben.

Eine außergewöhnlicher Fund war eine Grabbeigabe eines Kindergrabes in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). Hier fand man ein verziertes Bronzebecken. Man nimmt aber an, dass das aus Sachsen-Anhalt importiert wurde. Man darf davon ausgehen, dass dieses Kind zur Oberschicht gehörte.  Ebenso konnte man von einem Fund der Oberschicht  ausgehen, als man in Gevelinghausen (Hochsauerlandkreis) eine reich verzierte Bronzesitula aus aus dem 8. Jh. v. Chr. fand, die als Urne diente.

Vorrömische Eisenzeit (ca. 750 bis 12 v. Chr.)

In dieser Zeit gewann man Kenntnisse der Eisentechnologie. In einige Gegenden konnte man das Eisenerz sogar oberflächennah abbauen. Die Holzkohle, der zweite wichtige Rohstoff, konnte vor Ort vermeilert werden. Im Rennfeuerverfahren wurde dann in aus Lehm aufgebauten Öfen Roheisenerz und Schlacke getrennt. Man brauchte eine Temperatur von ca. 1300°C und die konnte man mit besagtem Ofen und der Holzkohle gut erreichen. Man goss das Eisen in schwertförmiger Barren und vertrieb es so.

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