Westfalen, Rheinland und Lippe zur Zeit des 3. Reiches

Die drei “Provinzen” Westfalen, Rheinland und Lippe waren zur Zeit des 3. Reichs leere Worthülsen.

Ab Februar 1933 leitete die Regierung Hitler Maßnahmen zur Zentralisierung und zur Beseitigung von Demokratie und Pluralismus ein. Da die NSDAP die „Einheit von Volk und Staat“ proklamierte, war es oberstes Ziel konkurrierende Machtzentren in Reich, Ländern und Kommunen auszuschalten.

Durch die Verschmelzung von Verwaltungsbehörden mit Parteiämtern entstanden einige neue zentralistische „Oberste Reichsbehörden“:

Reichskanzlei

Reichsregierung

Reichsministerien


Westfalen

Historischer Hintergrund:

  • Westfalen war bis 1946 Teil des preußischen Provinzialverbandes Westfalen, mit Verwaltungssitz in Münster.
  • Es gehörte also zum Freistaat Preußen, der seinerseits Teil des Deutschen Reichs war.

Im Dritten Reich:

  • Nach der „Gleichschaltung“ 1933 verlor die Provinz – wie alle Länder – ihre Eigenständigkeit: Die Macht lag bei der NSDAP-Gauleitung, nicht mehr bei der preußischen Provinzialverwaltung.
  • Westfalen wurde in zwei NS-Gaue aufgeteilt:
    • Gau Westfalen-Nord (Sitz: Münster, Gauleiter: Alfred Meyer)
    • Gau Westfalen-Süd (Sitz: Bochum, Gauleiter: Josef Wagner)
  • Diese Gaue ersetzten praktisch die politische Selbstverwaltung.
  • Wichtige Zentren der NS-Industrieproduktion (z. B. Ruhrgebiet, Rüstungsbetriebe in Dortmund, Hagen, Bochum).

Besonderheiten:

  • Starke Industrie, besonders Kohle und Stahl, machten die Region kriegswichtig.
  • Ab 1943/44 schwere alliierte Luftangriffe.
  • Nach 1945 britische Besatzungszone.


Rheinland

Historischer Hintergrund:

  • Ebenfalls preußische Provinz: Provinz Rheinland (seit 1822), Hauptstadt: Koblenz, Verwaltungssitz: Düsseldorf.
  • Sehr vielfältige Region – von katholischem Köln bis industriellem Ruhrgebiet.

Im Dritten Reich:

  • Die Provinz Rheinland wurde nach der Gleichschaltung ebenfalls entmachtet.
  • Sie bestand aus mehreren NS-Gauen:
    • Gau Köln-Aachen
    • Gau Düsseldorf
    • Gau Koblenz-Trier
    • Gau Essen (teilweise Ruhrgebiet)
  • Das Rheinland war nach dem Ersten Weltkrieg bis 1930 teilweise von Alliierten besetzt (Rheinlandbesetzung), weshalb dort anfangs starker Nationalismus und NS-Zulauf herrschte.
  • 1936 wurde das Rheinland wiederaufgerüstet (Remilitarisierung), was ein entscheidender propagandistischer Sieg Hitlers war.

Besonderheiten:

  • Dichte Industrie (Ruhr, Köln, Düsseldorf) und katholische Bevölkerung, was teils Spannungen mit der NS-Ideologie erzeugte.
  • Viele Zwangsarbeitslager, Kriegsgefangenenlager und Bombardierungen.


Lippe

Historischer Hintergrund:

  • Kleineres, eigenständiges Land im Deutschen Reich: Freistaat Lippe, Sitz in Detmold.
  • Kein Teil Preußens bis 1947.
  • Verfassungsgemäß republikähnlich, aber klein (ca. 150.000 Einwohner).

Im Dritten Reich:

  • 1933 gewann die NSDAP die Landtagswahl in Lippe – ein symbolischer Erfolg, da Lippe das letzte Land war, in dem vor der Machtübernahme Wahlen stattfanden (Januar 1933).
  • Diese Wahl wurde von Hitler als „Beweis“ für die Volksunterstützung gefeiert – sie stärkte seine Position gegenüber Hindenburg.
  • Nach 1933: Gleichschaltung, Landesregierung unter NS-Kontrolle, Integration in die NS-Gaustruktur (Gau Westfalen-Nord).

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